21. August – Pont Aven

Gammeltag! Bis mittags in Schlafsachen abhängen, lesen, Kaffee trinken.

Pont Aven ist nur 20 Minuten zu fahren und nicht gerade eine Grosstadt. Wir hatten also keine Eile.

Am Aven kann man gemütlich bummeln, essen, shoppen. Letztere beiden Alternativen haben wir ausgelassen. Nur am kleinen Trödelmarkt haben wir mal die Auslagen angeschaut.

Der Aven fließt steil und eiskalt bergab durch das Dorf. Im oberen Teil liegen große Findlinge im Fluss, auf die man klettern kann. Die perfekte Mittagspause! In der Sonne, umspült vom Rauschen des Flusses auf einem großen Stein gemütlich herumliegen.

Zum Abend haben wir uns noch Fisch besorgt:
Ein paar Pallurdes (machen süchtig!), vier Scheren von der atlantischen Riesenkrabbe, die es mit Knoblauchsauce geben wird, und zwei frische Thunfischsteaks (tatsächlich vom ganzen Thun abgeschnitten!) die wir Grillen werden.

Langsam geht es an die letzten Urlaubstage und morgen verlassen wir die Küste. Ich werde die Fischauswahl vermissen!

20. August – Quimper

Quimper ist gemütlich. Die Gassen sind rustikal und weitläufig.

Die Kathedrale mit dem „schiefen“ abknickenden Längsschiff sollte man unbedingt gesehen haben!

Geparkt haben wir in Locmaria. Dem alten römischen Siedlungsteil. Von hier aus kann man in 10 Minuten entspannt am Odet entlang in die Stadt laufen.

Zuerst sind wir in der Fischhalle gelandet. Zum Fisch kaufen war es freilich noch zu früh, schließlich wollten wir noch in die Stadt, aber für das zweite Frühstück in Form von traditionellen Galette waren wir goldrichtig.

Kaum zwei „Complet“bzw. Camembert und einen Crêpe Chocolat Blanche ging’s gesättigt in die Gassen.
Auch in Quimper kann man hervorragend die vorkragenden Obergeschosse der alten Häuser bewundern. Und an jeder Ecke spielten wirklich gute Strassenmusiker! Sehr entspannt.

Dazu passte der Grand Café Creme in einem ganz kleinen Büchercafe (überall standen Bücherregale zum schmökern). Die Terasse hatte Blick auf die Kreuzung zweier Flaniermeilen…

Auf dem Rückweg dann der Fischkauf. Wir haben gekauft, was spannend aussah bzw. was wir schon auf Speisekarten gelesen haben:

12 Pallurdes noir
12 Pallurdes Rose/grize
4 grüne Meeresschnecken
1 Kilo Französische Muscheln

Danach kam uns die glorreiche Idee, den Verkäufer zu fragen, wie man die Schnecken und Pallurdes (von denen wussten wir zumindest, dass man sich mit Butter und Knoblauch überbacken kann) zubereitet. Der Rest der Muscheln war uns ja klar.

Er musste glatt schmunzeln und hat’s uns freundlich erklärt.

Zurück am Camping begrüßte uns zuerst an der Einfahrt das lustige Völkchen aus dem Restaurant von gestern. Mit Händen, Füssen, deutsch, Englisch und Französisch haben wir eine verdammt lustige Stunde verbracht – inklusive Fußball mit einem kleinen, viel zu schweren, unreifen Kürbis.

Danach ging es ans Essen machen.

Die französischen Muscheln bekamen ein Bad in Weißwein-Knoblauch-Zwiebel-Sud spendiert. Verfeinert mit Creme legere.

Die letzten 5 Minuten leisteten ihnen die Schnecken Gesellschaft.

Die Pallurdes waren zwar wehrhaft zu knacken ohne Muschelmesser, mussten sich aber auch ergeben. Die Hälfte der je schwarzen und rose haben wir überbacken. Die übrigen gabs gleich roh mit Vinaigrette!

Was für ein Feinkostabend. Abgerundet durch ein Remis im Boule (ich hab nach schwerem Rückstand noch die Aufholjagd geschafft) sind wir todmüde ins Bett. Nicht ohne noch gut 30 Minuten das „lebende Hörbuch“ Bretonische Verhältnisse gemeinsam zu lesen, wie fast jeden Abend: ich lese, bis Arne fast einschläft, unser gemeinsames Urlaubsbuch laut vor.

19. August – Reisetag nach Concarneau

Totale Überraschung – wie bei jedem Platzwechsel regnet es. Was nicht schlimm ist, da es dann auch nicht so warm ist im Auto.

Concarneau war flugs erreicht. Am Ortseingang erst mal Zwischenstop beim Decathlon. Das Sortiment ist deutlich mehr auf Wassersport ausgerichtet als bei uns. Die Wandersachen dafür mehr Baumwolle als Funktionskleidung. Fündig sind wir beide geworden.

Der 2-Sterne-Camping den wir ausgesucht haben, ist über eine Fähre mit der Altstadt verbunden. Wussten wir nicht, und haben uns sehr gefreut. Hatten wir doch befürchtet, aufgrund der Lage am anderen Ende der Bucht immer mit dem Auto fahren zu müssen.

Die Altstadt von Concarneau ist eine kleine Festungsinsel, eigentlich nur zwei Straßen. Gut gefüllt mit Besuchern, aber trotzdem nicht hektisch.

Wir haben dort lecker gespeist:
Jakobsmuscheln, überbackene Palourdes-Muscheln und im Anschluss in Weisswein gekochte Muscheln. Sehr lecker. Neben uns am Tisch ein seltsames Trüppchen von drei langhaarigen „Keltenfans“. Lustiges Volk, die durchaus Unterhaltungswert hatten.

Mit der Fähre, die praktischerweise bis 23 Uhr fährt, waren wir dann auch flugs wieder am Platz.

18. August – La Trinite, Pors Poulhan, Tronoen, Penmarch, Pouldreuzic

Auf direktem Weg ging es zur Kapelle Trinite Sur Mer. Was man so direkt nennt, wenn der Navigator die Routenbeschreibung frei auffasst, und beschließt, dass Norden nur dort sein kann, wo er meint. Sonnenstand und Kartenmaterial sind da nur flexibles Beiwerk…

Mit meiner Hilfe haben wir die hübsche Kapelle gefunden, die aber leider nur noch zu bestimmten Zeiten geöffnet ist. Wir waren zu der anderen Zeit da.

Dafür war die Kapelle von Tronoen geöffnet und der dortige Kalvarienberg eine echte Sehenswürdigkeit. Dargestellt ist das Leben Christi in vielen kleinen Sequenzen. Damals (durch die Priester) wie heute (durch die Tourführer) werden die wesentlichen Punkte dort erläutert und die relevanten Reliefs dazu mit langen Holzstäben wie mit einer Art Zeigestock angezeigt.

Entlang der Strecke des Sonnenwinds ging es gen Süden. Leider ist die Beschilderung der Tourismus-Rundfahrt lückenhaft, sodass wir uns nach zwei mal Verfahren selbst einen Weg gesucht haben.

In Penmarch wartete der Phare d’Eckmühl, der große Leuchtturm mit gründlichen Preisen für den Aufstieg und einer hübschen Schlange vorm Eingang. Wir haben verzichtet.
Stattdessen gab es nebenan, also auf der Rückseite eine ganz kleine Ausstellung des Seenotrettungsvereins, in der nicht nur ein ehemaliges Holz-Ruder-Rettungsboot bestiegen werden konnte, sondern auch viele Bilder das Leben an und mit dem Meer erläuterten. Alle Erklärungen gab es in vier Sprachen. Dazu einen beklemmenden Fotofilm über die Kraft des Meeres. Eintritt wurde übrigens nicht verlangt. Eine Spende für den Verein und seine Aufgaben jedoch nicht abgelehnt. Super!

Auf dem Rückweg Haben wir in einer Cidrerie angehalten (die, in der wir neulich schon waren) und jetzt den Bestand für zu Hause gekauft.

Point Croix bot nur eine Kirche zur Besichtigung. Nicht mal ein Fischlokal gab es. Langsam wird es eng mit dem Wunsch nach Coquillen, Riesenkrabbe und Flussaustern….

Spontan haben wir daher 4 Sorten Käse, Rilettes, bretonische Wurst und Pilz-Trüffelpastete sowie frisches Baguette mitgenommen. Zum Abend gab es die Einkäufe mit Apfelconfit (mit Lambig, Nüssen und Gewürzen) in der Abendsonne.

17. August – Locronan, Douarnenez, Pointe Millier

Locronan, unser Ort der sparsamen Umwege. Weil Arne „mal musste“ sind wir eine kleine Seitenstraße rein. Weil es eine Einbahnstraße war, konnten wir nicht auf die vom Navi vorgeschlagene Hauptroute zurück kehren.

Also weiter geradeaus. In etwa 50 Meter Entfernung standen Leute mit Warnwesten. Das war uns aber egal, weil wir direkt vor der Einfahrt zu einem Parkplatz standen und auch gleich eine gute Lücke gefunden haben. Auf dem Weg in den Ort haben wir dann erst gesehen, dass die Warnwestenmännchen von jedem Parkfreudigen geschmeidige 3 Euro kassiert haben, weil die Hauptzufahrt von dort kam. Was für ein Glück, dass Arne musste!

Locronan ist absolut Autofrei (bis auf Anwohner) und sehr entspannt. Kleine Kopfsteinplastergassen lassen ein altertümliches Gefühl aufkommen.
Die Kirche wirkt für den Ort viel zu groß, ist aber ein bedeutender Wallfahrtsort.

Im Reiseführer hatte ich einen Tip für eine Creperie gelesen, die wir – obwohl am Hauptplatz gelegen – erst mal suchen mussten. Unscheinbar, keine Werbung und nur ein kleines Namensschild.
Als wir rein gingen, fanden wir das Lokal fast dunkel und leer vor. Eine ältere, aber verdammt flotte Kellnerin nahm und gleich in Beschlag, ob wir Crêpe essen wollen? Dem Tisch durften wir aussuchen.
Tja, nun ging’s wieder mal uns essen: ein Galette Complet und ein Crêpe mit Äpfeln und Honig. Dazu Cidre und Apfelsaft. Zum „Nachtisch“ je einen Petit Café. Es war nicht teuer und wahnsinnig lecker. Die Galette/Crêpe wie gewohnt mit kaum Butter…

Den Abstecher nach Douarnenez hätten wir uns sparen können. Die Stadt hat außer der Fischkonservenindustrie nicht viel zu bieten.

Dafür gabs mehrere kleine steinerne Kirchen am Wegesrand (Plogonnec, Kerlaz). Es ist wahrhaft erstaunlich, wieviele kleine und doch sehr hübsche alte Kirchen sich in den Dörfern befinden! Nach Kirche Nummer 4 ist Arne allerdings für den Tag in den absoluten Kirchen-Anfahr-und-Besichtigungs-Streik getreten.

Also noch ein wenig Natur an der Pointe du Millier mit ihrem in einem Wohnhaus untergebrachten Leuchtturm. Hin durch Heide und Stechginster an einer kleinen Steilküste, zurück Teerstrasse….

Zum Abend dann: gegrillter Fisch (der geschenkte vom Vorabend). Am Waschbecken musste ich zu meinem Erschrecken feststellen, dass nur zwei der vier Fische bereits ausgenommen waren. Da half es nichts, ich musste mir unfreiwillig das Ausnehmen der Fische selbst beibringen… Urgs.
Ab jetzt kann ich ein ganz klein wenig nachvollziehen, warum Menschen begab leben. Konnte ich schon mal… Neulich als ich dem Kaninchenbraten noch den Kopf abtrennen musste vorm garen…

Der Fisch kam in Alufolie, bekam wahlweise Senf- oder Zitronensalzkruste und ab auf den Grill. Totales Festmahl, zu dem die Reste der noch aus Deutschland mitgebrachten Kartoffeln gut schmeckten!

Beim edlen Spender haben wir uns übrigens mit Cidre bedankt und noch ein nettes Gespräch mit seiner ursprünglich aus den Niederlanden stammenden Frau gehabt. Wie klein die Welt doch sein kann.