Drei Mal Greifenberg…

Morgens um acht waren wir mit unserer guten Seele Frau Galewski verabredet. Klingt gut – wäre nicht das Tor vom Campingplatz noch fest verschlossen gewesen!

Zum Glück konnten wir jemanden erreichen und kamen nur 15 Minuten zu spät.

Frau Galewski wollte uns auf dem Greifenberger Standesamt behilflich sein, um dort Urkundenkopien zu bekommen.

Ausgestattet mit langen Listen für uns und einen Bekannten ging es ins Amt. Etwas ernüchtert waren wir dann schon. Für die Geburt meines Opa sind die relevanten Akten verschollen. Alle Daten nach 1935 waren zu jung und müssen in den kleinen Orten selbst abgefragt werden.

So blieb für mich nur noch die Heirat der Urgrosseltern auf die ich hoffen darf.

Für den Bekannten sucht sie die Urkunden, allerdings war auch dort ein Datum zu jung und eines zu alt.

Für die Sterbeurkunden des Urgroßvaters STARK, die der UrUrGrossmutter Ruhnke sowie des UrUrgrossvater LAMBRECHT wurden wir an das Standesamt in Karnitz empfohlen.

Die Dame in Greifenberg war wirklich sehr nett und bemüht!

Frau Galewski hatte noch etwas Zeit mit uns nach Karnitz zu fahren. Alleine wären wir dort auch nicht zurecht gekommen!

Das Büro in Karnitz hatte etwa 9 Quadratmeter, und es saßen dort zwei Beamtinnen. Diese waren von den Besuchern durch einen massiven, hohen Tresen getrennt. Das heißt für die Besucher: man muss mindestens 1,65 Meter groß sein, um über den Tresen schauen zu können. Die Leibesfülle sollte jedoch 110 cm Hüftumfang keinesfalls überschreiten, sonst passt man nicht zwischen Tresen und Wand.

Wir haben uns zu dritt in den Spalt gezwängt.

Es folgte die obligatorische Ausweiskontrolle. Was recht lustig war, da die Beamtin denAusweis  mehrfach drehte, und mit den Angaben offenbar rein gar nichts anfangen konnte. Mit kritischem Blick bekam ich den Ausweis zurück.

Zunächst wurde das Anliegen vorgetragen, dann begann heftiges Blättern beider Beamtinnen in alten Büchern. Was mich wunderte, denn niemand hatte nach einem Namen gefragt. 

Nach etwa fünf Minuten fragte man dann den Namen  doch ab – man hatte bislang nur geschaut, ob überhaupt deutsch klingende Namen dabei wären. Trotzdem blieb es bei dem Ergebnis: kein Fund!

Sodann kam die Dame aber in Fahrt und hat in Rewal, in Schwirsen, in Treptow und bei der örtlichen Friedhofsverwaltung angerufen.

In Treptow solle es eine 1947 verstorbene Berta Stark geben. Passt nicht wirklich zu den Meinen, aber ich werde wohl trotzdem mal hinfahren!

Leider hat die Fahrt nach Karnitz uns also nicht weiter gebracht und so ging es zurück nach Treptow, Frau Galewski zu ihrem nächsten Termin pünktlich bringen.

Danach kam uns die glorreiche Idee, in Greifenberg für den Bekannten die Bilder von seinem vermutlichen Elternhaus zu machen. Die Beschreibung der Straße passte aber leider nicht zur Ortslage. Schade!

Nebenan war aber ein großer Supermarkt und einkaufen mussten wir sowieso…

Auf dem Rückweg ging es nach Rensekow. Direkt an der Ortseinfahrt befindet sich in einem Wäldchen ein alter Friedhof.

  

Von der Straße kaum zu erkennen

Die eigentliche alte Pforte befindet sich auf der Rückseite des Geländes. 

  
Die Steine im Friedhof sind bis auf wenige Stücke umgeworfen und beschädigt. Die Granitplatten der großen Grabsteine wurden abgeschlagen.

Nur von einem Stein könnte ich Fragmente finden und zusammen setzen und ein anderer war teilweise erhalten:

   
 
Der Rest sah so aus:

   
    
 
Aber es hatte in der letzten Zeit jemand das Gras gestutzt und etwas sauber gemacht.

  
Auf dem Friedhof befindet sich – ziemlich gut erhalten – ein Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges des Ortes und der zugehörigen Gemeinden.

   
    
    
 
  
   
   
Auf einer Tafel wird auf den „alten Friedhof“ verwiesen. Sollte es einen noch älteren geben???

Wir beschließen in den Ortskern von Rensekow zu fahren und tatsächlich: wir werden fündig!

Neben einer Kirchenruine stehen einige wenige erhaltene Grabkreuze.

Hier ein paar Bilder der Ruine:

   
    
 
Daneben lag im Gras dieses Becken, das sicherlich mal eine Bedeutung hatte:

   
Die Grabsteine/-Kreuze haben wir uns natürlich näher ansehen wollen.

   
    
    
    
    
    

  
  
  
   
  
    
  

Außerdem haben wir an wenigstens einem Hof noch Name und Jahreszahl ausmachen können: Wilke.


Im  Ort haben wir dann gefragt, ob es noch einen neueren Friedhof gäbe. Nein, das gäbe es nicht. Aber irgendwo müssen die Menschen doch beerdigt sein! Der nächste große Ort ist: Greifenberg! Also Karte raus, Friedhof finden (riesig!) und hinfahren. Greifenberg die Dritte.
Der Friedhof wurde ebenso gründlich „entdeutscht“ wie man hier sagt. Nur zwei drei kleine Fundstücke könnten wir ausmachen und eine altes deutsches Grab, bei dem die Daten mit Zementputz überstrichen wurden ein neues Kreuz wurde rauf gepackt und somit bekam das Grab einen neuen Besitzer…

 
    

Also waren auch hier keine Spuren mehr zu finden.

Für den Rückweg nach Pustchow sind wir über Deutsch Pribbernow gefahren. Dort gab es nichts ansehnliches, sodass die Kamera in der Tasche blieb.

Dann kam der Abstecher nach Grandshagen, ehemaliger Wohnsitz der Urgrosseltern.

Der Ort ist klein und überschaubar. Der größte Hof ist vollständig und aufwändig saniert und mit übermannshohen, Blickrichtung Toren vor Blicken geschützt.

Die übrigen Höfe wirkten eher sanierungsbedürftig.

   

  
    
    
   
   
 
   
 Jetzt fehlte noch Zirkwitz in der Reihe. Laut Frau Galewski soll es dort 100 Eichen geben mit Schildern von alten Namen. Und eine Gedenkstätte für den Besuch von Bischof Otto um 1200 herum.

Wir haben an der Kirche angefangen- aber eigentlich waren wir schon an der Treppe zur Kirche traurig. Die Treppeneinfassung bestand aus geschliffenen Grabsteinen. Das Muster, welches die Steinmetze früher auf die Rückseiten gehauen haben, erkennen wir mittlerweile sofort!

   
 Weiter oben an der Kirche wurde mit diesen Steinen offenbar auch noch der Gehweg plattiert.

   
Sowas ist traurig und ich wüsste nicht, was man anderen Nationen bei so etwas vorwerfen würde. Grabsteine wegnehmen, daran haben wir uns hier als Anblick gewöhnt. Die Verwendung eines Grabsteins als Gehwegplatte widert uns an. (So etwas muss auch mal ausgeschrieben werden dürfen!)

Dementsprechend kurz fiel der restliche Besuch von Zirkwitz aus, über dessen fahlen Beigeschmack auch das hübsche Glockenspiel der Kirche zur vollen Stunde nicht hinweg helfen konnte.

Und das, obwohl mein Urgroßvater nach Erzählungen früher oft mit dem Motorrad nach Zirkwitz auf Besuch gefahren sein soll!

           

    

 
Mit diesem Gefühl war es Zeit für uns, die Tagesausfahrt zu beenden.

Auf dem Rückweg haben wir dennoch ein wenig Landschaft genossen.

   
 

Kammin in Pommern

Kammin empfängt uns mit zig Baustellen und Umleitungen. Zahlreiche Kreuzungen werden offenbar „in einem Rutsch“ in Kreisverkehre umgebaut. Nach einer großen Aussenschleife finden wir trotzdem zum Yachthafen am Bodden und los ging es.

Entlang der alten Stadtbefestigung laufen wir Richtung Dom. Von hier aus können wir schon den ehemals sonnenhellen, jetzt blassgelben Turm der Kirche der allerheiligsten Jungfrau Maria schauen.

Der Turm und die Turmfenster haben Schäden, die Windfahne hängt „auf halb acht“. Ein trauriger Anblick. Im Inneren wurde die Kirche mit Linoleum ausgelegt. Von vielleicht ehemaliger Pracht ihrer Erbauerzeit im 17. Jahrhundert ist leider nichts zu sehen.

   
    
 
Dahinter duckt sich fast der Kamminer Dom. Zur Zeit eingerüstet kündet dies zumindest Erhaltung des Bauwerkes an.

   
    
   
Die Aussenfassade ist frisch renoviert und sieht im unteren Teil schon wieder toll aus!

Die Kirche im Inneren ist gut erhalten, man kann sogar Führungen (auf Polnisch) erhalten. Der Dom schließt um 17 Uhr, für eine Besichtigung und/oder ein Gebet sollte man sich also früh entscheiden.

Außerdem kündet die wunderhübsche Orgel, dass sich auch ein Besuch der wöchentlichen Orgelkonzerte lohnen könnte. Die Termine finden sich am Aushang im Vorraum.

Im Dom empfiehlt sich auf jeden Fall die Besichtigung des Domschatzes (2 Zl pro Person). Zu sehen gibt es neben mitgebrachten Kirchengütern der „neuen“ Bewohner von Kammin auch einige alte Schätze aus der Vorkriegszeit.

Besonders schön ist ein altes Fenster mit deutscher Inschrift und ein Chorgestühl mit altdeutscher Inschrift zur Nächstenliebe. Da Arne kein Sütterlin etc lesen kann, habe ich ihm die Inschriften vorgelesen. Da gab es ein paar erstaunte Blicke für uns und einige haben sogar versucht zuzuhören, was ich lese. Verstanden hat das vermutlich keiner.

   
    
    
    
 
Auch ein Besuch des einzigen nahezu vollständig erhaltenen gotischen Kreuzgang in Pommern sollte nicht ausgelassen sein!

Man erreicht ihn durch den Dom und dort durch den Seitenausgang (ebenso 2 Zl pro Person).

Im Kreuzgang wird das vor einigen Jahren reparaturbedürftige ehemalige Turmkreuz ausgestellt. Bei dessen Abbau fand man im Kreuz eine Hülse mit einer in Sütterlin geschriebenen Karte. Es wird der Ablauf des Kreuzbaues vor dem Krieg sowie die beteiligten Handwerker aufgelistet! Was für ein spannender später Fund.

   
    
 
Im Kreuzgang selbst finden sich alte Grabplatten mit deutscher Inschrift, ein Brunnen in einem leider gar nicht gepflegten Garten und vor allem eines: wunderbare Stille!

   
    
    
    
    
   
Natürlich haben wir auch die wunderbare Kirche nicht vergessen:

   
    
    
  Die Orgelkanzel – Bemalung auf der Unterseite

 
    
 
Neben dem Ausgang befinden sich rechts- und linksseitig alte Chorgestühle. Die Farbe wurde vermutlich entfernt, aber man kann alte lackierte Schriftzüge nachlesen mit Namen. Ich werde versuchen, die Bilder zu bearbeiten und lesbar zu machen.

Gegenüber vom Dom ist noch der alte Bischofssitz. Das darin befindliche Museum haben wir nicht besucht.

   
    
 
Entlang des weiteren Weges befinden sich bis auf seltene Ausnahmen neuere Häuser.

  
Schließlich gelangt man zum hüschen Rathaus.

   
    
 
Daran vorbei geht es zum letzten erhaltenen großen Tor der Stadt von ehemals fünfen – dem Wolliner Tor. Das Museum darin haben wir ebenso nicht besucht.

   
    
 

Noch einmal geht es an der Stadtmauer entlang für eine Pause mit Blick auf den Bodden.