17. August – Locronan, Douarnenez, Pointe Millier

Locronan, unser Ort der sparsamen Umwege. Weil Arne „mal musste“ sind wir eine kleine Seitenstraße rein. Weil es eine Einbahnstraße war, konnten wir nicht auf die vom Navi vorgeschlagene Hauptroute zurück kehren.

Also weiter geradeaus. In etwa 50 Meter Entfernung standen Leute mit Warnwesten. Das war uns aber egal, weil wir direkt vor der Einfahrt zu einem Parkplatz standen und auch gleich eine gute Lücke gefunden haben. Auf dem Weg in den Ort haben wir dann erst gesehen, dass die Warnwestenmännchen von jedem Parkfreudigen geschmeidige 3 Euro kassiert haben, weil die Hauptzufahrt von dort kam. Was für ein Glück, dass Arne musste!

Locronan ist absolut Autofrei (bis auf Anwohner) und sehr entspannt. Kleine Kopfsteinplastergassen lassen ein altertümliches Gefühl aufkommen.
Die Kirche wirkt für den Ort viel zu groß, ist aber ein bedeutender Wallfahrtsort.

Im Reiseführer hatte ich einen Tip für eine Creperie gelesen, die wir – obwohl am Hauptplatz gelegen – erst mal suchen mussten. Unscheinbar, keine Werbung und nur ein kleines Namensschild.
Als wir rein gingen, fanden wir das Lokal fast dunkel und leer vor. Eine ältere, aber verdammt flotte Kellnerin nahm und gleich in Beschlag, ob wir Crêpe essen wollen? Dem Tisch durften wir aussuchen.
Tja, nun ging’s wieder mal uns essen: ein Galette Complet und ein Crêpe mit Äpfeln und Honig. Dazu Cidre und Apfelsaft. Zum „Nachtisch“ je einen Petit Café. Es war nicht teuer und wahnsinnig lecker. Die Galette/Crêpe wie gewohnt mit kaum Butter…

Den Abstecher nach Douarnenez hätten wir uns sparen können. Die Stadt hat außer der Fischkonservenindustrie nicht viel zu bieten.

Dafür gabs mehrere kleine steinerne Kirchen am Wegesrand (Plogonnec, Kerlaz). Es ist wahrhaft erstaunlich, wieviele kleine und doch sehr hübsche alte Kirchen sich in den Dörfern befinden! Nach Kirche Nummer 4 ist Arne allerdings für den Tag in den absoluten Kirchen-Anfahr-und-Besichtigungs-Streik getreten.

Also noch ein wenig Natur an der Pointe du Millier mit ihrem in einem Wohnhaus untergebrachten Leuchtturm. Hin durch Heide und Stechginster an einer kleinen Steilküste, zurück Teerstrasse….

Zum Abend dann: gegrillter Fisch (der geschenkte vom Vorabend). Am Waschbecken musste ich zu meinem Erschrecken feststellen, dass nur zwei der vier Fische bereits ausgenommen waren. Da half es nichts, ich musste mir unfreiwillig das Ausnehmen der Fische selbst beibringen… Urgs.
Ab jetzt kann ich ein ganz klein wenig nachvollziehen, warum Menschen begab leben. Konnte ich schon mal… Neulich als ich dem Kaninchenbraten noch den Kopf abtrennen musste vorm garen…

Der Fisch kam in Alufolie, bekam wahlweise Senf- oder Zitronensalzkruste und ab auf den Grill. Totales Festmahl, zu dem die Reste der noch aus Deutschland mitgebrachten Kartoffeln gut schmeckten!

Beim edlen Spender haben wir uns übrigens mit Cidre bedankt und noch ein nettes Gespräch mit seiner ursprünglich aus den Niederlanden stammenden Frau gehabt. Wie klein die Welt doch sein kann.

16. August – Reisetag, Audierne, Beuzec

Von Camaret nach Primelin.

Eine Reise von gut 2 Stunden, ohne Fernstraße, quer durchs Land.

Und weg von Paula und Paulchen – den ständig kläffenden Hunden unserer etwas schlichten Parzellennachbarn aus… Bonn. So konnten und mussten wir leider verstehen, was die miteinander und mit den Hunden geredet haben.

Primelin ist so klein, dass es kaum auf der Landkarte steht. Kurz vor der Pointe du Raz. Der Betreiber des städtischen Platzes war fast erstaunt, dass wir drei Nächte bleiben wollen. Der Platz ist ruhig-familiär und Super gepflegt.

Von hier werden wir ab jetzt erst mal Autotouren fahren.

Zuerst nach Audierne. Die Stadt hat mit viel zu bieten außer einem großen Sea-Life-ähnlichen Aquarium UND:

Arne hat seinen bretonischen Pulli und Schal bekommen! Jetzt hab ich meinen endlich zurück!

Ich glaube wir sind nur gut 300 Meter gelaufen, da war sie: eine traditionelle Boulangerie/Patisserie mit Bretonischem Kuchen. Dieser besteht aus einer Vielzahl von Zutaten: zunächst Butter, dazu ein wenig Butter, Butter, ein Hauch Zucker und nicht zu vergessen: etwas Butter. Man zahlt ihn nach Gewicht und jedes Gramm landet garantiert direkt auf der Hüfte! Unserer war zusätzlich mit Schokolade – der Kollateralschaden in Kuchenform.

Auf dem Rückweg sägen wir in einer Seitenstraße (die man von der Hafenseite nicht einsehen konnte) eine Creperie. Klein, rustikal, keine Sitzplätze. Der Bäcker in weißer Bäckerkluft buk auf 3 Crepeeisen gleichzeitig Crêpe. Nicht weil so viel los war, sondern weil alle paar Minuten Franzosen reinkamen, die offenbar ein Grosspaket für zu Hause mitnahmen.

Unser Galette war mit Ziegenkäse und Lachs, reichlich belegt und kaum Butter…. Lecker!

Übrigens drängt sich mit der Versacht auf, dass ich heute eine echte Schti in der Creperie vor mir als Bedienung hatte. Wahnsinn, wie jemand mit leerem Mund so sprechen kann, als ob er heiße Kirschkerne im Mund hätte.

Mehr könnte uns Audierne nicht mehr bieten, da waren wir satt und sicher. Also noch eine Aussenschleife nach Beuzec.
Das gibt es im Umkreis von 60km zwei mal – wissen wir jetzt…
Die gut 30km zunächst in die falsche Richtung hatten aber etwas Gutes, denn wir sind am Cidre-Direktverkauf von Kerne vorbeigekommen. Das hat unser Portemonnaie entlastet und das Auto gefüllt. Danach ging’s zum richtigen Beuzec (am Cap Sizuen). Neben einer tollen Landschaft wartet hier vor allem die kleine Granitkirche des Ortes mit tollen Buntglasfenstern auf. Die Kirchen werden hier schlichter. Etwas naiv-grober. Die Heiligenfiguren weniger feingliedrig. Alles ist hier etwas handfester in den Kirchen.

Als ob es heute nicht schon genug um Essen ging, stand ein bretonischer Hobbyangler abends an unserer Parzelle um geangelten Fisch zu verschenken, der nicht mehr in seine Kühlung passte… Wir bekamen 3 Makrelen und einen „Gronde“ oder so ähnlich. Leider könnte uns niemand den deutschen Namen sagen. Das Essen für morgen ist also gesichert.

15. August – Camaret und Morgat

Wandern entlang der Steilküste! Bei reichlich Wind ging es der Küste entlang durch Heide, Stechginster, Farne und Flechten. Ein Farbspiel in Gelb, Grün, Lila vor weißen Felsen und blauem Meer!

Mit dem Wind in der Nase sind wir von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt geschlendert. Am einzigen echten Sandstrand entlang – an dem man nicht Baden darf, weil er ungelogen aus Treibsand besteht!

Zurück ging es dann an einem kleinen, ruhigen Badestrand entlang, an dessen einziger kleiner Gastronomie wir uns guten Espresso/Cappuccino geleistet haben.

Nach einer frischen Dusche hiess es auf nach Morgat, dort sollte das Thunfischfest bei regionaler Musik uns erwarten.

Wir waren fast die ersten und keine Minute eher als die angekündigten 19 Uhr konnten wir die notwendigen Essensmarken kaufen:
2 mal gegrillter Thunfisch mit Beilage, 1 mal Fischsuppe und 1 Crêpe. Dazu eine Flasche Cidre…

Essen und Ausgabe war unter freiem Himmel direkt am Hafen.
Mit untergehender Sonne wurde es dort nicht nur voll (extremes Schlange stehen an allen Ständen) sondern auch windig-kalt. Deswegen haben wir uns heim zum Troll gesputet, nicht ohne dem Menhir-Feld „Das Auge der Henne“ noch einen Abstecher in der romantischen Abendsonne zu gönnen.

14. August – Camaret Sur Mer

225 km übers Land zu den Steilküsten. Eine halbe Tagesfahrt hat das gedauert! Mit Regen, Wind, Sonne- immer im Wechsel.

Zum ersten Mal haben wir das Dinkel-Vorzelt aufgebaut. So groß hatten wir es gar nicht in Erinnerung!

Und gut dass wir es haben, bei knapp 15 Grad Außentemperatur und Wind sind wir froh um Dach und Seitenwand…

Der Ort ist ruhiger und bodenständiger. Highlight sind ein alter Geschützturm (Vauban; zur Zeit wegen Bauarbeiten gesperrt) und die kleine Kirche Notre Dame de Rocamur). Die von außen geduckt wirkende Kirche auf dem dem Hafen vorgelagerten Damm sieht winzig aus. Ihre flachen, leuchtend rot gestrichenen Tore unterstreichen diesen Eindruck noch. Innen ist das Mittelschiff von erstaunlicher Höhe. Steinerne Rundbögen bilden die tragende Konstruktion. Natürlich ist erkennbar, dass diese Kirche eng mit der Seefahrt verknüpft ist. Schön ist sie, die kleine, ansonsten beinahe schmucklose Kirche.

13. August – Saint Suilac und Cancale

Aufwachen bei strahlend blauem Himmel. In der Bretagne gibt es ja gutes Wetter – mindestens fünf mal am Tag.

Arne war -was für ein toller Mann!- schon Baguette und Eier kaufen. Noch in Decke gehüllt draußen gefrühstückt und los ging’s in das malerische blaue Fischerdorf St. Suilac. Klein, beschaulich, gemütlich und ob der frühen Stunde noch nicht touristisch bevölkert.

Da es kurz vor Mittag war, als wir los führen haben wir den Plan spontan geändert und uns nicht nach St Malo sondern Richtung Austernstadt Cancale bewegt. Die Parkplatzsuche war gruselig und langsam drängte uns die Erkenntnis auf: hier wollten noch zig andere Touristen hin. Also in einem Industriegebiet weit außerhalb geparkt und in weitem Bogen zum Fischereihafen gelaufen. Über eine winzige Treppe landeten wir direkt an der Promenade.

Im dritten Lokal (total urig, schwere alte Holzmöbel, halbmondförmige Schemel zum Sitzen) war ein einziger Zwei-Personen-Tisch frei! Ein kurzer Blickwechsel mit der Kellnerin – der Tisch war unser.

Bestellt haben wir ein Dutzend Austern aus der Bucht von St.Michel, Größe 1.
Dazu Miesmuscheln in Weißweinsud.
Eine Flasche Cidre und Wasser.

Unsere ersten Austern jemals!!!
Und wir hatten keine Ahnung, dass Größe 1 schon ziemlich groß ist.

Die erste Auster ging an Arne. Souverän sag ich nur, sehr souverän. Lösen, Zitrone rauf und ab dafür! So schmeckt das Meer…

Auch die Miesmuscheln waren wohl die Besten, die wir je hatten.

Abgerundet mit Espresso, sitzen wir auf der Promenade und lassen uns in der Sonne den atlantischen Wind um die Nase gehen.

Weiter ging’s nach St Malo. Eine alte Piratenstadt. Laut, wuselig, überlaufen. Schnell rein, schnell weg. Für uns war das nichts.

Zurück im Lauschigen Dinan, lud uns die jetzt nahezu Tourismus-befreite Fussgängerzone zum Abendspaziergang und eine gemütlich Creperie zum Ansammeln von Hüftgold. Regionaler Cidre, ein Galette (etwas dickerer Buchweizencrepe) mit Ziegenkäse, Ei und Schinken und ein süßer Crêpe mit Schokoladensauce.

Dinan am Abend ist den Spaziergang wert. Viele erstaunliche architektonische Kleinigkeiten sieht man erst, wenn man mit Ruhe durch die Gassen über das Kopfsteinpflaster schlendert!

Zu unserer Überraschung gab es in einer kleinen Seitenstraße mit einem kleinen Platz noch kostenloses Theater unter freiem Himmel. Und so klang der Abend aus: auf dem Boden auf ausgerollten Teppichen hockend, lachend über das komische Theater einer Dreiergruppe, die einen kleinen Wanderzirkus mimten, der von Pannen heimgesucht wird. Eine Vorführung, die man auch mit geringen Französischkenntnissen genießen konnte und durfte. Bravo!